Feinkonzept

Feinkonzept

Wenn Ihre Auftraggeber mit dem   Grobkonzept zufrieden sind, lassen Sie es sich (schriftlich!) abnehmen. Damit steht die Basis für die Webseite, und Sie können auf dieser Grundlage weiterarbeiten. Wollen die Auftraggeber später grundlegende Änderungen, können Sie den Mehraufwand dafür voll in Rechnung stellen, weil das Grobkonzept abgenommen wurde.

Wozu dient das Feinkonzept?

Das Feinkonzept ist der Fahr- und Konstruktionsplan für die Webseite. Darin ist jede einzelne HTML-Seite beschrieben. Alle Texte, Bilder, Interaktivitäten usw. sind vermerkt. Manche Bereiche lassen sich auch zusammenfassend beschreiben. Telefonlisten oder Katalogeinträge zum Beispiel müssen nicht komplett im Feinkonzept erscheinen. Auch bei dynamischen Webseiten, also solchen mit Datenbankanbindung, kommt natürlich nicht alles ins Feinkonzept. Für solche Webseiten beschreiben Sie nur die verschiedenen Bereiche und führen alle Typen von Seiten auf. Jede Vorlage (Template), die später mit Inhalten gefüllt wird, sollte im Feinkonzept erscheinen.

Auftraggeber, Projektleiter, Texter, Redakteure, Grafiker, HTML- und Flash-Programmierer - sie alle finden im Feinkonzept sämtliche Informationen, die sie für ihre Arbeit brauchen.

Ein Punkt, bei dem die Meinungen auseinandergehen, ist, ob im Feinkonzept alle Texte für die HTML-Seiten enthalten sein müssen. Ich denke, das hängt ganz von Ihrem Projekt und von Ihrem Auftraggeber ab. Wenn Sie die Texte schreiben und sie nicht vom Kunden kommen, ist es nicht verkehrt, diese in ihrer endgültigen Fassung im Feinkonzept zu haben. Dann können Sie diese schon relativ früh im Projektverlauf vom Auftraggeber abnehmen lassen. Schreiben Sie ins Feinkonzept, dass die Texte die endgültige Fassung darstellen und alle weiteren Änderungen kostenpflichtig sind.

Andererseits enthält das Feinkonzept für alle anderen Bereiche (Grafik, Programmierung usw.) auch nur eine Beschreibung der Inhalte. Somit ist es auch in Ordnung, wenn Sie bei den Texten dasselbe machen. Sie geben dann an, wie viele Seiten die einzelnen Bereiche genau haben und was auf ihnen steht - inhaltlich wie auch von den eingesetzten Medien her.

Wenn Ihr Auftraggeber die Texte liefert, sollten Sie ihm dafür einen möglichst frühen Termin setzen. Oft stellt sich heraus, dass die Texte entweder anders als erwartet doch nicht vorhanden sind, oder die Texte sind so wenig für das Web geeignet, dass sie redaktionell stark überarbeitet werden müssen. Planen Sie dafür einen Zeitpuffer ein.

Vorgehen bei einem Relaunch

Wenn Sie eine bestehende Webseite überarbeiten (Relaunch/Redesign), ist das Vorgehen für das Feinkonzept im Wesentlichen dasselbe, wie wenn Sie eine neue Webseite konzipieren. Allerdings sollten Sie Rücksicht darauf nehmen, dass es wahrscheinlich Benutzer gibt, die die vorhandene Webseite nutzen. Sehen Sie sich die Logfiles auf dem Server an, um herauszufinden, wie viele das sind.

Auch wenn eine Webseite noch so schlecht ist, stehen die meisten regelmäßigen Benutzer einer Überarbeitung kritisch gegenüber. Sie haben gelernt, wie man die Webseite bedient und wo sie finden, was sie brauchen. Davon, dass die neue Webseite besser ist, müssen Sie die Benutzer erst überzeugen.

Behalten Sie daher alles bei, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Ändern Sie Begriffe oder die Position von Navigationselementen nicht unbedacht. Die URLs von wichtigen Seiten sollten Sie beibehalten oder wenigstens Seiten unter der alten URL vorsehen, die zur neuen Seite mit diesem Inhalt verlinken. So stellen Sie sicher, dass auch solche Benutzer die Inhalte weiterhin finden, die diese Seite als Bookmark bzw. Favorit gesetzt haben.

Wie entsteht das Feinkonzept?

Jeder Konzepter hat seine eigenen Vorlieben und erprobten Methoden beim Erstellen des Feinkonzepts. Hier steckt im Bereich Konzeption, wie in fast allen Fällen, die meiste Arbeit. Eine Vorgehensweise, die sich bewährt hat, ist:

  • 1. Informationen sammeln
  • 2. Informations-Architektur erarbeiten
  • 3. Navigations-Architektur erstellen
  • 4. Eventuell Layout anlegen (Designkonzept erstellen)
  • 5. Prototypen erstellen und testen (Usability-Test)
  • 6. Architektur anhand der Testergebnisse überarbeiten
  • 7. Das eigentliche Dokument erstellen:
    • Informations-und Navigations-Architektur beschreiben
    • Übergeordnete Funktionen beschreiben
    • Startseite beschreiben
    • Inhaltsseiten beschreiben (Text, Bilder, Funktionen)
    • Dokument korrigieren lassen (z.B.von Kollegen)
  • 8. Feinkonzept an Auftraggeber schicken und abnehmen lassen

In den meisten Fällen werden Ihre Projekte nicht genau so ablaufen. Manchmal wird das Designkonzept vor dem Feinkonzept erstellt, manchmal auch danach, je nachdem, wie entscheidend die visuelle Komponente für die Webseite ist. Oder man verzichtet aus Kosten- und Zeitgründen auf den Bau und Test von Prototypen - wovon ich abrate.

Informationen sammeln

Für das Angebot und das Grobkonzept haben Sie schon sehr viele Informationen zusammengetragen. Dabei sind Ihnen sicher auch noch einige Ideen gekommen, die Sie noch nicht schriftlich festgehalten haben. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das nachzuholen. In das Feinkonzept gehören alle Details, die Ihnen zu Ihrer Webseite einfallen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen noch wichtige Hintergrundinformationen fehlen, oder Sie noch auf der Suche nach Ideen zur Umsetzung von bestimmten Funktionen sind, wenden Sie wieder dieselben Arbeitstechniken an, wie sie in Grobkonzept, beschrieben wurden.

Ein Problem, das vielen Konzeptern begegnet, ist, dass man fast immer das Gefühl hat, man könne noch viel mehr zum Thema recherchieren. Das führt dazu, dass man immer mehr Fakten zusammenträgt und immer mehr Ideen hervorbringt - mehr, als jemals in dem Projekt verwendet werden können. Das können Sie vermeiden, indem Sie sich klare Ziele setzen:

inhaltlich
Welche Informationen und welche Umsetzungsideen brauchen Sie noch unbedingt? Alles, was nicht zwingend nötig ist, fällt in diesem Stadium des Projekts weg.
zeitlich
An welchem Datum beginnen Sie mit dem Schreiben des Feinkonzepts, und wann sind Sie damit fertig? Planen Sie einen Puffer ein.

Wenn Sie sich an diese Tipps halten, vermeiden Sie das von Journalisten sogenannte "Totrecherchieren" eines Themas. Damit ist gemeint, dass irgendwann einfach nichts mehr weitergeht und ein Thema damit "gestorben" ist. In der etwas drastischen Sprache der Journalisten ist damit gemeint, dass über das Thema nicht mehr in der geplanten Form berichtet werden kann. Es ist entweder nicht mehr aktuell, oder es ist durch die zu breit angelegte Recherche so komplex geworden, dass der Journalist den Überblick (und die Lust) verloren hat.

Es ist normal, wenn man bei manchen Themen den Eindruck hat, umso weniger zu wissen, je mehr man sich damit befasst. Um dieses Gefühl loszuwerden, ist es hilfreich, sich mit jemandem zu unterhalten, der von dem Thema tatsächlich keine Ahnung hat. Ihm können Sie dann erzählen, was Sie wissen - und Sie werden feststellen, dass das eine ganze Menge ist.

Haben Sie also einfach den Mut zu beschließen, dass Sie jetzt genug wissen und die Phase von Recherche und Ideenfindung endgültig hinter sich lassen können. Gehen Sie daran, das Feinkonzept zu Papier zu bringen.

Ich selbst kenne das seltsame Gefühl, das viele Menschen befällt, wenn sie die leere, weiße Seite eines neuen Dokuments auf dem Bildschirm vor sich haben. Die Frage Wie fange ich an? scheint über dem Kopf zu schweben und hemmt die Gedanken immer stärker. Diese Situation verführt mit dazu, lieber noch ein paar Ideen zu suchen oder Informationen zu recherchieren.

Wichtig ist, dass Sie dieses Symptom erkennen (von Fachleuten "Schreibhemmung" genannt). Stoppen Sie dann Ihre Recherche, und legen Sie los. Falls tatsächlich noch etwas fehlen sollte, können Sie es auch später noch besorgen. Wärmen Sie sich etwas auf, und nehmen Sie der leeren Seite ihren Schrecken: Schreiben Sie den Titel des Projekts, den Namen Ihrer Firma und/oder Ihren eigenen Namen sowie das Abgabedatum auf die erste Seite. Dann beginnen Sie mit der allgemeinen Beschreibung der Ziele, der Zielgruppe und des Umfangs - ganz wie im Grobkonzept. Der erste Teil des Feinkonzepts ist eigentlich nicht viel mehr als ein etwas überarbeitetes Grobkonzept. So bekommen Sie die ersten Seiten des Feinkonzepts voll und können dann mit Schwung an die neuen Teile gehen.

Informations-Architektur

Wenn Sie den allgemeinen Teil des Feinkonzepts fertig haben, geht es an den wichtigsten Arbeitsschritt: das Festlegen der Informations-Architektur. Das entfällt in den meisten unprofessionellen Web-Projekten völlig. Denn dass eine Webseite (wie jedes Medien-Projekt) eine Architektur braucht, ist den meisten Menschen nicht klar. Sie gehen einfach so vor, dass die vorhandenen Informationen in Gruppen eingeteilt und auf diese verteilt werden. Diese Gruppen bilden dann die Beschriftungen für die Buttons auf der Homepage - fertig.

Dieses Vorgehen ist damit vergleichbar, sich in einer fremden Stadt ins Auto zu setzen und einfach loszufahren, wenn man zum Bahnhof will. Irgendwann werden Sie schon auf einen Wegweiser stoßen und zum Ziel kommen. Schneller wäre es allerdings gegangen, wenn Sie sich vorher Orientierung verschafft hätten.

Sie sollten Ihren Benutzern von Anfang an die bestmögliche Orientierung geben und sie nicht dem Zufall überlassen. Es gibt die Webseite noch nicht, Sie können daher alles so anlegen, dass sich die Benutzer sofort zurechtfinden, dass sie sozusagen gleich "losfahren" können. Das sollte immer Ihr erstes Ziel sein. Denn wenn sich der Besucher nicht schnell auf der Webseite zurechtfindet, gibt er frustriert auf und wird die Webseite wahrscheinlich nie wieder besuchen. Konstruieren Sie die Webseite so, dass alles dort ist, wo Ihre Benutzer es suchen. Es gibt keine allgemein gültige Theorie dazu. Es zählt immer die Regel: Der Benutzer hat immer Recht. Dort, wo er Dinge sucht, dort sollten sie sein. Versuchen Sie in die Rolle des Benutzers zu schlüpfen, wenn Sie die Architektur festlegen. Versuchen Sie so oft, wie es Ihr Budget erlaubt, die Benutzer mit einzubeziehen. Lassen Sie sie immer wieder testen, ob Ihre Ideen auch ankommen. In den großen und erfolgreichen amerikanischen Web-Agenturen gibt es hauptberufliche Informations-Architekten. In Deutschland ist das noch die große Ausnahme. Die Funktion des Informations-Architekten übernimmt hier gewöhnlich der Konzepter.

Grobzuordnung der Inhalte

Verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick. Versuchen Sie, die vorhandenen und die gewünschten Informationen für die Webseite in eine Struktur zu bringen. Das können Sie alleine tun oder mithilfe von Vertretern Ihrer Zielgruppe. Laden Sie immer nur eine Person auf einmal ein, und lassen Sie sie Ordnung in die Themenvielfalt bringen. Ordnung ist immer subjektiv, und Diskussionen darüber, wo etwas "hingehört" sind fruchtlos. Für Sie ist entscheidend, wie Ihre Testpersonen die Dinge sortieren. Kommen sehr unterschiedliche Zuordnungen zustande, ist das eine wichtige Information für Sie. Sie müssen dafür sorgen, dass sich möglichst alle Benutzer auf der Webseite zurechtfinden. Sehen Sie beispielsweise verschiedene Zugangsmöglichkeiten vor .

Listen

Wie Sie selbst beim Ordnen der Informationen vorgehen, hängt von Ihrer persönlichen Arbeitsweise ab. Bewährt haben sich dafür Stift und Papier. Sie schreiben dann einfach Listen mit zusammengehörigen Themen. Allerdings rate ich davon ab, gleich eine Webseitemap zu zeichnen. Damit legen Sie sich zu früh fest.

Mindmaps

Manche Konzepter arbeiten auch gern mit Mindmaps, um Ordnung in die Themenbereiche zu bringen. Listen wie Mindmaps können Sie zwar schon direkt am Computer anfertigen, allerdings fließen die Gedanken meist freier, wenn mit Stift und Papier gearbeitet wird.

Kartenlegen

Meine bevorzugte Technik bei größeren Webseiten ist folgende: Schreiben Sie alle Themenbereiche auf einzelne Karten. Sortieren Sie diese so, dass alle zusammengehörigen Bereiche auf einem Stapel liegen. Damit haben Sie schon eine erste Idee, wie die Struktur der Webseite aussehen könnte. Nun finden Sie für jeden der Stapel einen Überbegriff. Damit haben Sie die vielen Informationen für Ihre Webseite ganz gut im Griff.

Diese Technik ("Card Sorting") lässt sich sehr gut auch mit Vertretern der Zielgruppe durchführen. Lassen Sie fünf bis zehn Personen das tun, und Sie bekommen ein gutes Gefühl für die Ordnungsvorstellungen der zukünftigen Benutzer.

Feingliederung

Für die weitere Gliederung sollten Sie die Ergebnisse Ihrer ersten groben und intuitiven Ordnung als Grundlage nehmen. Versuchen Sie, ein logisches System in die Ordnung zu bringen. Das größte Problem dabei ist, dass fast jede Sortierung subjektiv ist. Selbst wissenschaftliche Systematiken unterliegen immer wieder Änderungen, da neue Erkenntnisse zur Neueinordnung von manchen Elementen führen.

Im Folgenden nenne ich einige mögliche Kriterien für die Sortierung. Diese sind aber vor allem als Anregung gedacht. Es geht nicht darum, die perfekte Systematik zu finden, sondern darum, den Benutzern der Webseite so schnell wie möglich klarzumachen, was sie wo finden. Es bringt nichts, ein in sich völlig logisches System zu schaffen, das der Benutzer nicht versteht. Bauen Sie einen Obsthandel im Internet auf, werden Sie kaum ein botanisches System zum Gliedern der Informationen verwenden. Sie können nicht davon ausgehen, dass der Benutzer unter dem Begriff "Sammelfrüchte" Äpfel sucht oder dass er weiß, dass Tomaten unter "Beeren" zu finden sind. Stattdessen werden Sie eher die übliche Einteilung nach "Obst" und "Gemüse" vornehmen. Aber damit ist es nicht getan. Macht eine weitere Unterteilung Sinn? Gemüse ließe sich noch unterteilen in "Salat" und "Kräuter" und "sonstiges Gemüse". Aber auch diese Einteilung hat ihre Tücken. Sollten die Kräuter nicht auf derselben Ebene stehen wie Obst und Gemüse?

Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, eine Struktur zu finden, die für den Benutzer leicht zu durchschauen ist.

Gliederungsmöglichkeiten

Alphabetisch

Die Einträge werden nach dem Alphabet sortiert. Das ist eine Ordnung, die jedem vertraut ist, doch intuitiv ist sie nicht. Sie bietet sich nur an, wenn die Informationen aus vielen kurzen Häppchen bestehen, wie zum Beispiel eine Liste mit Telefonnummern. Die alphabetische Sortierung kann als zusätzliche Funktion angeboten werden, so wie das Stichwortverzeichnis in einem Buch.

Wissenschaftlich systematisch

Die Informationen werden nach ihrer Systematik gegliedert. Das ist nicht bei allen Dingen möglich. Ein Beispiel für eine systematische Gliederung ist der Internet-Obstladen von vorhin: Die Dinge werden in die Gruppen "Früchte", "Blatt- und Sprossgemüse", "Wurzeln & Knollen" und "Pilze" gegliedert. Das macht nur Sinn, wenn diese Systematik der Zielgruppe vertraut ist. Für Webseiten, die sich an die breite Masse richten, ist diese Strukturierung meist nicht geeignet.

Alltäglich systematisch

Sie können auch auf eine selbst festgelegte Systematik zurückgreifen. Das machen zum Beispiel auch die Gelben Seiten. Darin können Sie unter "Ärzte" die Unterkategorie "Internisten" finden. Aber wo finden Sie einen Fachmann für Satellitenantennen? Unter "Satellitenantennen"? Oder bei "Antennenbau"? Oder doch unter "Rundfunk- und Fernsehtechnik"?

Intuitiv

Bei der intuitiven Gliederung versucht man, dem "Gefühl" des Benutzers ent- gegenzukommen. Gefühlsmäßig wird der Kunde Tomaten beim Gemüse suchen, auch wenn sie eigentlich zum Obst gehören. Diese Form der Sortierung ist besonders einfach für den Benutzer, allerdings ist es sehr schwer, eine Sortierung zu finden, die alle Benutzer gleich intuitiv finden. Ein Biologe wird die Tomaten vielleicht erst einmal beim Obst suchen.

Lösungsorientiert

Beim lösungsorientierten Ansatz versuchen Sie, die Informationen so zu sortieren, dass der Benutzer seine Fragen so schnell wie möglich beantworten kann. Er kommt mit einem Problem und sucht dafür eine Lösung. Beispiel: Der Obststand wird gegliedert nach "Wo kaufe ich ein?", "Was hat gerade Saison?", "Was kann ich kochen?" und "Was tun bei Reklamationen?".

Metaphorisch

Weit verbreitet ist die metaphorische Sortierung. Dabei wird eine Gliederung aus dem realen Leben auf abstrakte Inhalte übertragen - eine Metapher, ein Bild, wird gebildet. Beispiel: Ein Supermarkt im Netz könnte aus den Bereichen "Obststand", "Metzgerei", "Bäckerei", "Getränkemarkt" und "Süßwarenladen" bestehen.

Das Problem mit Metaphern ist, dass sie sich meist nicht durchhalten lassen. Wie würden Sie beispielsweise den Auswahlpunkt bezeichnen, bei dem sich der Benutzer beschweren kann? Wenn Sie die Metapher durchhalten wollen, müssten Sie sich einen Laden bzw. Ort ausdenken, der damit assoziiert wird. "Polizeiwache"? "Rathaus"? Oder doch "Verbraucherschutzzentrale"? Das passt alles nicht richtig. Sie müssten also hier die Metapher durchbrechen, um diese Funktion unterzubringen.

In den Anfangsjahren des World Wide Web (ab 1993) hatten sehr viele Webseiten ein Zimmer als Metapher für die Webseite. Ein mehr oder weniger kunstvoll gezeichneter Raum diente als Hauptnavigation. Der Schreibtisch führte zu allgemeinen Informationen, die Zeitschriften auf dem Tisch zu den neuesten Nachrichten, das Bücherregal führte zu Links und so weiter. Türen mit beschrifteten Schildern mussten für alles herhalten, was nicht mit der Metapher abgedeckt werden konnte. Solche plakativen Metaphern sind glücklicherweise aus der Mode. Man hat festgestellt, dass Benutzer sich damit einfach nicht zurechtfinden.

Allerdings wird mit Metaphern leider immer noch viel Unsinn getrieben. Sie sind subtiler geworden, und manche wurden uns so konsequent vorgesetzt, dass wir sie verstehen, obwohl sie eigentlich kaum zu verstehen sind. Der "Arbeitsplatz" von Windows ist so ein Beispiel. Oder der Papierkorb beim Macintosh. Dass hier hinein Dateien kommen, die gelöscht werden sollen, ist eine gute Idee. Dass allerdings eine Diskette, die aus dem Laufwerk ausgeworfen werden soll, auch in den Papierkorb gezogen werden muss, ist Quatsch. Aber Millionen von Mac-Benutzern haben sich daran gewöhnt.

Chronologisch

Manche Dinge lassen sich nach Datum sortieren. Ein Beispiel sind Nachrichten. Diese werden oft so dargestellt, dass die neueste Meldung ganz oben steht und die älteren dann mit abnehmender Aktualität folgen.

Örtlich

Die Sortierung nach dem Standort ist eine sehr einleuchtende Methode. Adressen von Geschäften lassen sich zum Beispiel nach Ländern, Bundesländern oder Städten ordnen. Im Groben funktioniert diese Methode recht gut. Problematisch wird es aber, wenn es für den Benutzer zu speziell wird. Sie können zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass ein Ausländer weiß, dass Nürnberg in Franken liegt und das wiederum zu Bayern gehört.

Zielgruppenspezifisch

Sie können die Informationen auch nach den Benutzergruppen gliedern. Ein Beispiel: "Für Endverbraucher", "Für Großkunden", "Für Mitarbeiter" und "Für Lieferanten". Das hat den Vorteil, dass Sie den verschiedenen Benutzern in der Folge unterschiedliche Optionen anbieten können. Denn deren Interessen können sich deutlich unterscheiden. Den Endverbraucher wird es sicher nicht interessieren, wie viel Rabatt er bei der Abnahme von 20 Kisten Orangen bekommt. Dafür will er vielleicht Rezept-Tipps haben. Die Mitarbeiter wollen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sicher nicht lesen, dafür aber interessiert sie das 45. Betriebsjubiläum des Einkaufsleiters.

Welche Gliederung bietet sich an?

Die Frage, welches Gliederungssystem Sie am besten verwenden, lässt sich nur beantworten, wenn Sie Ihre Informationen genau kennen und vor allem auch die Erwartungen Ihrer Zielgruppe.

In den meisten Fällen werden die Informationen nicht starr und durchgehend nach einem der oben aufgelisteten Systeme geordnet, sondern nach einer Mischung. Die einzelnen Bereiche einer Webseite können unterschiedliche Sortiersysteme verwenden. Im Beispiel ist die Startseite alltäglich systematisch sortiert, es folgen Unterseiten, auf denen die Dinge alphabetisch aufgelistet sind.

Webseitentruktur festlegen

Die Themen für die Webseite sind nun geordnet. Legen Sie jetzt fest, wie die Webseite strukturiert sein muss, um diese Ordnung wiederzugeben. Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass die Webseite wachsen wird. Ist die Webseite ein Erfolg, werden wahrscheinlich schnell immer mehr Informationen hinzukommen. Legen Sie die Webseite für den Erfolg aus, nicht für den ersten Start. Planen Sie so weit wie möglich ein, wo zusätzliche Punkte untergebracht werden können, ohne die gesamte Struktur zu zerstören.

Webseitemap, Flussdiagramm, Flowchart ...

Das übliche Hilfsmittel zur Strukturierung der Webseite ist die Webseitemap - auch Flussdiagramm, Flowchart, Struktogramm oder Ablaufdiagramm genannt. Manche sprechen sogar nicht ganz richtig von Storyboard. (Der Begriff Storyboard kommt aus dem Trickfilm-Bereich, wo er eine Sammlung von Skizzen aller Szenen bezeichnet. Ein Storyboard im Multimedia-Bereich ist normalerweise eine Folge von Skizzen für jeden wesentlichen Zustand, die den Ablauf einer Animation oder interaktiven Anwendung zeigen.)

Mit der Webseitemap halten Sie fest, wie genau die Seiten Ihrer Webseite organisiert sind. Sie gibt an, wie die Inhalte auf Bereiche und Unterbereiche verteilt sind und welche Seiten Links zu welchen weiteren Seiten enthalten - das heißt, auf welchem Weg der Benutzer sich von der Startseite aus durch die Webseite bewegt. Sie sollten tatsächlich jede Seite angeben, die erstellt werden soll.

Hat beispielsweise ein Bereich der Webseite eine Datenbankanbindung, so können Sie diese Seiten als Gruppe von Seiten zusammenfassen. Das Gleiche gilt, wenn größere Datenmengen mit gleichbleibendem Seitenaufbau vorhanden sind. (Wie das etwa bei einem Katalog der Fall ist.)

Wenn Sie eine Webseite erstellen, die mit einem Content-Management-System (CMS) umgesetzt wird, ist das Erstellen der Webseitemap etwas schwierig. CMS kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn große Datenmengen anfallen, die sich häufig ändern - etwa bei Nachrichtensites. Deshalb ist hier sowohl der Inhalt sowie meist auch die Zahl der Seiten variabel. In so einem Fall erstellt man eine Webseitemap, auf der alle Bereiche der Webseite sowie zumindest alle Seitentypen (Vorlagen) eingezeichnet sind. Bei CMS definieren Sie einige Vorlagen, nach denen das System die jeweiligen Inhalte (Text, Bilder etc.) zu einer HTML-Seite aufbereitet.

Bei der Darstellung der Webseitemap herrscht im deutschsprachigen Raum recht großes Durcheinander. Jeder Konzepter scheint sein Spezialrezept zu haben. Ich halte mich an die Darstellungsweise, wie sie in Amerika üblich ist. Sie wird von den meisten Agenturen dort verwendet. Der Konzepter   Jesse James Garrett hat sich um die Vereinheitlichung verdient gemacht, indem er diese Darstellungsweise schriftlich fixiert hat.

So wenige Klicks wie möglich?

Man hört immer wieder, dass der Benutzer mit so wenigen Klicks wie möglich zur von ihm gesuchten Seite gelangen sollte. Im Prinzip ist das durchaus richtig. Doch im Extrem hieße das, dass alle Webseiten möglichst flach angelegt werden sollten. Das ist aber nicht sinnvoll. Denn dann gäbe es auf allen Webseiten eine Startseite mit unüberschaubar vielen Auswahlmöglichkeiten, die nur zu wenigen Seiten führen würden. Die Regel lautet also eher: Der Benutzer muss mit so wenig Arbeit wie möglich zur von ihm gesuchten Seite gelangen. Und Arbeit sind nicht nur Mausklicks, sondern vor allem auch das Nachdenken.

Die Kunst ist, dem Benutzer die Orientierung so leicht zu machen, dass er den Weg zur richtigen Seite nicht als mühsam empfindet. Dabei hilft es, wenn er nicht allzu oft klicken muss. Wichtiger aber ist, dass er auf jeder Seite, die er auf seinem Weg aufruft, sofort weiß, worauf er als Nächstes klicken soll. Der amerikanische Usability-Experte   Steve Krug hat das sehr schön beschrieben: Er rät Ihnen, sich immer einen Benutzer vorzustellen, wie er vor Ihrer Webseite sitzt. Die Gedanken des Benutzers schweben wie eine Comic-Sprechblase über seinem Kopf. Ihr Ziel sollte es sein, alle Fragezeichen in der Sprechblase bei der Benutzung der Webseite verschwinden zu lassen. Krug hat sein ganzes Buch unter dieses Motto gestellt: "Don't make me think" (das ließe sich mit Zwing mich nicht zum Nachdenken übersetzen.

Der Benutzer will so wenig wie möglich darüber nachdenken, wie er an sein Ziel gelangt. Solange dem Benutzer die Wahlmöglichkeiten klar sind und er immer weiß, wo er sich auf der Webseite befindet, nimmt er auch einige Klicks mehr in Kauf.

Fazit

Für die Tiefe einer Webseite gibt es keine Faustregel. Vier bis fünf Ebenen ist ein guter Anhaltspunkt, aber generell gilt nur die Regel: Eine Webseite darf nur so tief sein, dass man darin nicht die Orientierung verliert und auf dem Weg in die Tiefe der Webseite immer das Gefühl hat, auf dem richtigen Weg zur gesuchten Information zu sein.

Der Benutzer weiß bis maximal in die dritte Gliederungsebene, wo genau er ist. Geht es bei Ihnen tiefer hinab, müssen Sie aufpassen. Versuchen Sie, Seiten zu Gruppen zusammenzufassen. Es muss auch nicht jede Seite der untersten Ebene einen eigenen Button auf einer höhergelegenen Seite bekommen. Folgen die Seiten inhaltlich aufeinander, reicht es, die erste mit der höhergelegenen Ebene zu verbinden. Alle Folgeseiten können dann nur durch die jeweils vorhergehende Seite derselben Ebene aufgerufen werden.

Eine solche Anordnung ist sinnvoll, wenn Sie einen längeren Text haben, der auf mehreren aufeinanderfolgenden Seiten untergebracht ist. Diesen Text werden Sie sinnvollerweise in einzelne Abschnitte gliedern, die nach Möglichkeit auch je Seite eine Überschrift bekommen. Die Weiterführung von Seite zu Seite könnte dann so aussehen, dass die Überschrift der nächsten Seite unten rechts als Hyperlink steht. Diese einzelnen Überschriften werden dann nicht auf der Auswahlseite der übergeordneten Ebene auftauchen. Sie haben auf dieser Seite einen Link, der nur zur ersten Seite des Textes führt. Nur von dieser aus lässt sich die zweite Seite aufrufen, von dort aus die dritte und so weiter.

Noch besser ist es, den Text so aufzuteilen, dass die Grundinformationen auf der ersten Seite stehen. An deren Ende stehen Hyperlinks zu weiteren Seiten mit vertiefenden Informationen. Dadurch ist der Benutzer nicht gezwungen, sich durch alle Seiten zu klicken, wenn ihn nur bestimmte Informationen interessieren.